Während in Bayern Skisport, Biathlon, Radsport, Tennis, Reiten und sogar Curling weitaus populärer sind als die Randsportart Tanzen ist in anderen deutschen Bundelländern dieser Sport viel angesehener und verfügt über deutlich mehr Anhänger als hierzulande. Sogar das Fernsehen zeigt dort ab und an das, was viele Menschen gerne betrachten.
Tanzen ist eine ästhetische, athletische und künstlerische Ausdrucksform. Die Tänzer in den Sektionen Latein und Standard bringen eine Geschichte auf die Fläche, die sich quer durch alle Lebenslagen zieht. Das Tanzpaar muss es schaffen, innerhalb von 5 oder 10 verschiedenen Tänzen alles so zu verkörpern bzw. zu vertanzen, dass alle Emotionen, die das Leben so mit sich bringt, in nur wenigen Minuten an einem vorbeizieht. Kennenlernen, Flirten, Liebe, Hass, Vertrauen, Lebenslust, Kampf und Trennung. All diese Gefühle muss ein Paar möglichst glaubhaft und wenn es geht ehrlich dem Zuschauer oder auch Wertungsrichter tänzerisch mitteilen. Tanzsport ist nicht einfach nur ein Sport bei dem es darum geht als erster etwas zu erreichen, als erster durchs Ziel zu rennen oder am höchsten und weitesten zu springen, es geht um viel mehr.
Tanzen lebt man als Tänzer und der Zuschauer erlebt es. Als Zuschauer steht man vor einer Glitzerwelt mit schönen (Schönheit liegt im Auge des Betrachters) Menschen, die in einer Art Zauberwelt abgetaucht sind, die sich allerdings nur denjenigen eröffnet die ein knochenhartes Training absolvieren und nur zu gerne ihren Partner des öfteren gegen egal was eintauschen würden. Nicht gerade selten kommt man an einen Punkt, an dem man am liebsten alles hinschmeißen würde. Nichts desto trotz ist es eine Sportart die man wie keine andere mit seinem Partner erleben kann und das ganz egal in welchem Alter. Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen das Tanzen das Risiko an Altersdemenz deutlich herabsetzt.
Ich bin von klein an von meinem Vater zu Sportlichkeit erzogen worden; für ihn war Sport immer schon überlebenswichtig. Ich habe mit Leichtathletik begonnen, war immer der Sprintertyp und Springer. Ich war schnell und wollte auch immer alles gemessen haben, also waren Wettkämpfe für mich ein Muss! Schneller, höher, weiter usw. Es war toll zu gewinnen und es war nicht so berauschend zu verlieren, aber das ist halt die Welt eines Sportlers. Nachdem mich meine Großeltern in einem Ballettstudio angemeldet hatten, nahm ich die Sparte Tanz mit in mein Trainingsleben auf und merkte schon als kleines Mädchen, dass da irgendetwas mehr war als nur das was ich bisher kannte. Nicht nur schneller, höher, weiter war hier wichtig; nein auch Gefühle waren Teil davon und zwar nicht die adrenalinbestimmten Gefühle des Sieges oder die Wut sondern das Erleben des Tanzes an sich. Wer will schon einem Menschen tanzen sehen, der einem nicht ein wohliges Gefühl oder auch Gänsehaut über die Haut huschen lässt!? Tanzem ist mehr, viel mehr, dass habe ich sofort begriffen.
Einige Jahre habe ich dann im Ballett verbracht, zusätzlich habe ich dann auch noch dem Reitsport gefrönt, natürlich auch dort wieder mit Wettbewerben. Dieser Sport zeigte mir dann auf wie es ist, mit jemand zusammen eins werden zu müssen um Erfolg zu haben. Ein Team werden! Sicherlich muss man im Ballett auch miteinander tanzen jedoch nicht immer und man hat nicht den direkten Wettbewerb, den man als Team gewinnen will. Im Reitsport muss mein Pferd mich mögen und ich muss mich mit ihm jeden Tag auseinandersetzen und es mit mir. Das ist schon eine Aufgabe. Ein Wesen mit dem man sich nicht direkt auseinandersetzen kann, keine Diskussionen auf verbaler Ebene und dennoch ein Team.
So das war ein kleiner Ausflug in andere Sparten damit man sieht ich habe mich durchaus mit etwas anderem beschäftigt als nur mit Tanzen. Mit 16 habe ich dann wie so viele in diesem Alter einen Tanzkurs gemacht und dann aber durch den Job wieder nichts. Erst mit 24 habe ich dann durch meinen jetzigen Mann den Erstkontakt zu jener Randsportart gehabt die mich bis heute fesselt! Was zeigen soll das man nicht gezwungenermaßen mit schon zarten fünf Jahren beginnen muss um was zu erreichen!
Tanzsport, nicht NUR zum Spass aber nur mit Spass das ist ganz wichtig! Sicherlich gibt es wie in jeder Sportart Leute die es ausschließlich deshalb betreiben, weil sie sich dort profilieren wollen und um Ruhm zu ernten, allerdings ist es meist eine Frage der Zeit wie lange man sich in diesem Sport ohne Liebe dazu und zu seinem Partner halten kann. Dieser Sport stellt einen vor eine Aufgabe die man sonst in – so meine ich – keinem anderen Sport so intensiv erlebt wie hier.
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